Migräne-Kopfschmerz
von Dr. Carsten Schröter Inhalt:
Chronische Kopfschmerzen
Die beiden häufigsten Arten chronische r
Kopfschmerzen sind der Kopfschmerz vom Spannungstyp und die Migräne. Über 90%
der Bevölkerung leiden im Verlauf ihres Lebens unter Kopfschmerzen vom
Spannungstyp (Spannungskopfschmerz).
Etwa 7% aller Männer und 13% aller Frauen leiden unter einer Migräne. In
Anbetracht der großen Häufigkeit werden Kopfschmerzen oft als „etwas
Normales“, eine Bagatelle, abgetan und der gezielten Behandlung von Arzt und
Patient nicht viel Bedeutung beigemessen. Der Patient wendet sich mit Fragen zur
Behandlung oft nur an den Apotheker. Gerade bei chronischen Kopfschmerzen sollte
die Behandlung aber regelmäßig mit dem Hausarzt oder einem Neurologen
besprochen werden, um zu schauen, welche Möglichkeiten bestehen, eine verträglichere
oder effektivere Therapie existieren oder auch ob die bisherige Therapie
sinnvoll und sicher ist. Migräne
Migräne
– Einleitung
Wie oben beschrieben, leiden etwa 7% aller Männer und 13%
aller Frauen unter einer Migräne. Vor der Pubertät beträgt die Häufigkeit
der Migräne 4 – 5 %, und Jungen und Mädchen sind gleich häufig betroffen.
Die größte Häufigkeit der Migräne - Attacken liegt zwischen dem 35. und 45.
Lebensjahr.
Migräne
– Beschreibung
Bei der Migräne treten meist einseitige Kopfschmerzen von
pochendem Charakter auf, die als sehr heftig erlebt werden. Geringe körperliche
Tätigkeiten, wie beispielsweise schon das Steigen einer Treppe, führen zu
einer Zunahme der Schmerzen. Vegetative Begleiterscheinungen wie Übelkeit sind
fast immer und Erbrechen in etwa der Hälfte der Patienten vorhanden. Auch
Lichtscheu und Lärmempfindlichkeit werden regelmäßig berichtet. Die Patienten
ziehen sich deshalb gern in ein dunkles Zimmer zurück und legen sich hin. Die
Kopfschmerzen können auch beiderseitig auftreten. Meist ist bei einseitigem
Vorliegen eine Seite bevorzugt. Oft wird ein Beginn der Schmerzen im Nacken
angegeben, sie breiten sich dann meist über die Schläfen bis zur Stirn oder
darüber hinaus bis zum Auge aus. Die Dauer einer Migräne-Kopfschmerz - Attacke beträgt
von 4 Stunden bis zu 3 Tagen. Die meisten Patienten berichten eine Dauer von
einem Tag. Die Schwere und Häufigkeit von Migräne - Attacken nimmt nach dem 45.
Lebensjahr meist ab, sowohl bei Frauen wie auch bei Männern.
Bei einem Teil der Patienten geht den Kopfschmerzen schon 1
bis 2 Tage allgemeines Unwohlsein voraus. Hier sprechen wir von
Vorbotensymptomen. Ein weiterer Teil der Patienten, etwa 10% berichten 20 bis 30
Minuten vor Auftreten der Migräne - Kopfschmerzen über neurologische Reiz- und
Ausfallserscheinungen, die als
Aura bezeichnet werden. Besonders
typisch sind als Zeichen der Reizung der Sehrinde gezackte Linien, die in einer
Gesichtsfeldhälfte auftreten, zunächst sehr klein sind und sich dann langsam
ausbreiten. Auch Gefühlsstörungen, Schwindel, sogar Lähmungen und Sprachstörungen
können in diesem Rahmen auftreten. Dabei ist typisch, dass sie sich über 10
bis 20 Minuten entwickeln und nicht schlagartig auftreten. In jedem Falle sollte
aber umgehend bei Auftreten eine neurologische Untersuchung stattfinden, um
nicht die Diagnose eines Schlaganfalls zu übersehen. Aus einem Schlaganfall würden
sich ganz andere diagnostische und therapeutische Konsequenzen ergeben. Mit dem
Abklingen der Aura-Symptome treten charakteristischerweise die Kopfschmerzen auf.
Bei Frauen tritt die Migräne oft in zeitlicher Bindung zur
Menstruation auf. Hier wird von einer so genannten menstruellen Migräne
gesprochen.
Migräne
– Ursachen
Die Ursachen der Migräne sind noch nicht ausreichend geklärt.
Für eine spezielle Form der Migräne wurden zwei Gene auf dem Chromosom 1 und
dem Chromosom19 als Ursache erkannt. Für die meisten Patienten mit Migräne ist
eine familiäre Veranlagung feststellen. Zwillingsstudien belegen ebenfalls, das
genetische Faktoren (Erbfaktoren) mit für das Auftreten der Erkrankung
verantwortlich sind. Wahrscheinlich bewirken sie, dass der Patient empfindlicher
für verschiedene Reize ist und mit einer Migräne - Attacke reagiert.
Wahrscheinlich befindet sich im Hirnstamm ein
„Generator“, der die Migräne - Attacke in Gang bringt. Die meisten Patienten
kennen verschiedene Auslöser gut, die die Attacke „triggern“. Hierzu gehören:
|
| Imigran® |
Sumatriptan |
| AscoTop® | Zolmitriptan |
| Naramig® | Naratriptan |
| Maxalt® |
Rizatriptan |
| Relpax® | Eletriptan |
| Almogran® |
Almotriptan |
| Allegro® | Frovatriptan |
Welches
dieser Präparate in welcher Zubereitung (Tablette, Zäpfchen, Injektion,
Nasenspray) für den einzelnen Patienten am günstigsten ist, ist individuell zu
ermitteln. Es handelt sich um spezifische Migränemittel. Für den
Spannungskopfschmerz sind sie nicht wirksam. Vorteil der Triptane im Vergleich
zu den unten angesprochenen Mutterkornalkaloiden ist, dass sie zu jedem
Zeitpunkt der Schmerzattacke eingesetzt werden können, also auch noch, wenn die
Schmerzen schon sehr heftig sind, sogar wenn das Maximum schon erreicht ist. Von
Vorteil ist auch, dass die Triptane die Übelkeit und Erbrechen ebenfalls
bessern. Ein zusätzliches Medikament ist deshalb für diese Symptome in der
Regel nicht notwendig.
Bei
länger andauernden Migräne - Attacken kann die Wirksamkeit des Triptans zu früh
enden, was ein erneutes Auftreten der Kopfschmerzen nach sich zieht. Eine zweite
Dosis des Triptans ist dann wieder wirksam. Dabei ist aber zu berücksichtigen,
dass zu häufige Einnahme der Triptane zu einer Erhöhung der Häufigkeit der
Migräne -Attacken führen kann und schließlich zu einem medikamentenbedingten
Dauerkopfschmerz
führen kann. Aus diesem Grunde sollten nicht mehr als 10 Einzeldosen der
Triptane pro Monat eingenommen werden. Auch wird damit deutlich, dass die
Triptane nicht auf Verdacht eingesetzt werden sollen. Triptane dürfen nicht in
der Phase der Aura eingesetzt werden. Auch dürfen sie auf keinen Fall mit einem
Mutterkornalkaloid kombiniert werden.
Lebensbedrohliche
Nebenwirkungen wie Herzinfarkt
und
Schlaganfall wurden bei Sumatriptan (Imigran®) in einer Häufigkeit von 1 : 1.000.000
Anwendungen gesehen. Als Kontraindikationen, also Umstände, die den Einsatz der Triptanen verbieten, gelten:
·
Arterielle
Hypertonie (Bluthochdruck)
·
Koronare
Herzkrankheit (Durchblutungsstörungen
des Herzens)
·
Herzinfarkt in der Vorgeschichte
·
M. Raynaud
(Durchblutungsstörungen im Bereich der Finger)
·
Arterielle Verschlusskrankheit
·
Schlaganfall oder vorübergehende Durchblutungsstörungen des
Gehirns
·
Stillzeit
·
Kinder
·
Schwere Leber- oder Nierenfunktionsstörung
Mutterkornalkaloide
sind seit vielen Jahren im Einsatz. Zum Beispiel Dihydergot® und Migrexa® gehören
zu dieser Gruppe. Die Triptane wurden im Vergleich als besser getestet. Günstig
ist sind die Mutterkornalkaloide bei Patienten mit langen Migräne - Attacken
einzuschätzen. Im Vergleich zu den Triptanen treten die Kopfschmerzen nach der
Einnahme der Mutterkornalkaloide seltener im Rahmen derselben Attacke wieder
auf. Auch bei diesen Medikamenten ist die Gefahr des medikamentenbedingten
Dauerkopfschmerzes gegeben. Deshalb soll ein Mutterkornalkaloid nicht öfter als
8 bis 10mal im Monat eingesetzt werden. Die Kontraindikationen entsprechen im
wesentlichen denen der Triptane.
Die
Medikamente werden über die Einnahme als Tablette nur schlecht in die Blutbahn
aufgenommen. Deshalb wird die Einnahme als Zäpfchen empfohlen.
Ein
besonderes Problem der Schmerzmittel wie auch der Mutterkornalkaloide und
insbesondere der Triptane stellt aber der so genannte analgetikainduzierte
Dauerkopfschmerz dar. Dies bedeutet, dass es bei regelmäßiger Einnahme der
genannten Medikamente zu Dauerkopfschmerzen kommen kann. Er ist meist beiderseitig
lokalisiert, kann aber auch einseitig betont sein. Er wird meist als leicht bis
mäßiggradig, dumpf, diffus, zum Teil auch pulsierend beschrieben. Übelkeit
und auch Lichtscheu können auftreten. Er ist oft schwer von der Migräne
abzugrenzen. Er bessert sich kurzzeitig auf die genannten Medikamente. Versucht
der Patient, die Mittel abzusetzen, verstärken sich die Kopfschmerzen oft
erheblich. Der Patient schließt daraus, dass er das Medikament doch nicht
absetzen kann und nimmt es weiter. Begleitstoffe der Schmerzmedikamente erhöhen
die Gefahr der Gewöhnung. Beispielsweise werden die oben genannten Substanzen
zum Teil mit Coffein kombiniert. Obwohl in ähnlichen Dosen wie in einer Tasse
Kaffee ist die Substanz hier problematisch. Die Erfrischung und verbesserte
Leistungsfähigkeit, die man durch eine Tasse Kaffee erlebt, erlebt man nun auch
durch die Kopfschmerztablette. Die Bereitschaft eine weitere Tablette zu nehmen
ist dadurch – unbewusst – höher als wenn man nur eine Tablette mit einem
Inhaltsstoff nimmt – und eine Tasse Kaffee später trinkt.
Wie
kann der analgetikainduzierte Dauerkopfschmerz behandelt werden? Nur über ein
konsequentes Absetzen der Schmerzmedikamente, eine Verstärkung der
Kopfschmerzen ist dann für 3 bis 4 Tage zu erwarten, selten länger. Dann nimmt
er auf das früher bestehende Niveau ab. Das Vorgehen beim Absetzen sollte
vorher unbedingt mit dem Hausarzt oder Neurologen abgesprochen werden.
Allgemeine
Maßnahmen sollten bei Patienten, die
häufiger als monatlich unter Migräne - Attacken leiden, grundsätzlich
eingesetzt werden. Hierzu gehört das Führen eines Kopfschmerzkalenders und das
Erkennen von Auslösemechanismen.
Verschiedene Formen eines Kopfschmerzkalenders sind im Internet abrufbar, so zum
Beispiel ein Formular der Deutschen Migräne - und Kopfschmerzgesellschaft. Mit
einem solchen Kalender ist die Zahl und Art der Kopfschmerz - Attacken sicher zu
ermitteln. Auch kann geschaut werden, ob die Kopfschmerzen immer zu bestimmten
Zeiten oder in Verbindung mit bestimmten Ereignissen auftreten. Lassen sich
solche Auslösemechanismen ermitteln, kann versucht werden, sie gezielt zu
vermeiden.
Sind beispielsweise bestimmte
Nahrungsmittel als Auslöser erkannt, können diese gezielt vermieden werden.
Stress
sollte gegebenenfalls reduziert werden. Hierzu dienen
Entspannungstechniken wie die Progressive Muskelrelaxation nach
Jacobson oder das Autogene Training. Diese
Verfahren müssen erlernt und dann regelmäßig angewendet werden. Sie sollen
nicht nur bei Schmerzen sondern müssen regelmäßig eingesetzt werden. Nach Möglichkeit
sollte man sich zweimal am Tag hierfür Zeit nehmen. Die Techniken können in
unserer Rehabilitationsklinik erlernt werden, aber auch viele Volkshochschulen
und Krankenkassen bieten Kurse an. Dabei ist die Progressive Muskelrelaxation
schneller
und leichter zu erlernen. Zudem gibt es Strategien, die den Umgang mit Schmerz
erleichtern. Kurse, die solche Schmerzbewältigungsstrategien vermitteln, sind
ebenso wie Stressbewältigungskurse sehr zu empfehlen.
Eine
erfolgversprechende Therapieoption ist Ausdauersport. Durch regelmäßiges
Ausdauertraining wie z. B.
·
Jogging
·
Schwimmen
·
Radfahren
Mindestens zwei- bis dreimal eine
halbe Stunde pro Woche kann oft eine Minderung der Häufigkeit der Schmerzen
erreicht werden.
Medikamentöse Vorbeugung
sollte zum Einsatz kommen, wenn mehr als drei Migräne - Attacken pro Monat oder
Attacken mit einer Dauer von über 48 Stunden auftreten, die Attacken als unerträglich
empfunden werden, die medikamentöse Behandlung der Attacken nicht vertragen
wird oder unzureichend wirksam ist.
Medikamente der Wahl sind die so genannten
Betablocker. Problematisch kann sein, dass der sowieso oft schon niedrige
Blutdruck der Patienten durch diese Medikamente noch weiter reduziert werden
kann. Durch einschleichende Dosierung lässt sich dieser Effekt teilweise
umgehen.
Flunarizin stammt aus der Gruppe der so genannten Kalzium-Antagonisten. Häufige Nebenwirkungen sind Gewichtszunahme und Müdigkeit.
Als
weitere Substanzen kommen in Frage Valproinsäure, Acetylsalicylsäure oder
Pestwurz. Auch gibt es Hinweise auf eine Wirksamkeit von Gabapentin.
Amitriptylin kann besonders eingesetzt werden, wenn neben der Migräne ein
Spannungskopfschmerz vorliegt.
In
neuerer Zeit gibt es auch Untersuchungen, die eine Wirksamkeit von
Botulinum-Toxin anzeigen.
Die Substanz
ist ein Gift, das in niedriger Dosierung in Muskeln injiziert wird. Durch
Botulinum-Toxin wird der Kontakt zwischen Nervenfaser und Muskel zerstört. Der
Effekt ist aber nur vorübergehend. Nach etwa 3 Monaten ist der Kontakt wieder
neu ausgebildet, und die Behandlung muss gegebenenfalls wiederholt werden.
Personen, die Injektionen in die Muskeln des Kopfes erhielten, um Faltenbildung
zu vermindern, berichteten eine Minderung der zuvor bestehenden Kopfschmerzen.
Studien belegten dann den Effekt des Medikaments. Neben dem geschilderten
Wirkungsmechanismus werden weitere Effekte im schmerzleitenden System zur
Schmerzlinderung diskutiert. Eine abschließende Beurteilung über die
Wirksamkeit und die Bedeutung des Medikaments in dieser Indikation ist heute
noch nicht möglich. Hier sind weitere Untersuchungen abzuwarten.
Die
Wirksamkeit der Vorbeugung der verschiedenen Maßnahmen ist grundsätzlich durch
den Kopfschmerz - Kalender zu belegen. Erst nach 8 bis 12 Wochen ist überzeugend
festzustellen, ob das eingesetzte Medikament effektiv wirkt oder ein anderes benötigt
wird.
Abschließend
möchten wir auf die zehn Tipps für Migräne - Patienten hinweisen, die die
Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) zusammengestellt
hat:
1.
Behalten Sie Ihren Schlaf-Wachrhythmus bei.
2.
Meiden Sie Ihre persönlichen Migräne - Auslöser.
3.
Meiden Sie Saunabesuche.
4.
Treiben Sie Sport.
5.
Hetzen Sie nicht in den Urlaub.
6.
Planen Sie Ihren Tagesablauf (nicht zuviel vornehmen).
7.
Lernen Sie „Nein“ zu sagen.
8.
Seien Sie kein Prinzipienreiter (Lassen Sie mal Fünfe gerade
sein).
9.
Bitte keinen 48 Stunden-Tag.
10.
Bitte
mehr genießen...
Stellen
chronische Kopfschmerzen ein gravierendes Gesundheitsproblem dar und lassen sie
sich nicht durch die ambulante Behandlung ausreichend bessern, ist eine stationäre
Rehabilitation zu empfehlen. In diesem Rahmen können die Optimierung der
Attackenbehandlung, die vorbeugende Behandlung und vor allem auch das
Entspannungstechniken, Stress- und Schmerzbewältigungsstrategien erlernt
werden.
Als
Kostenträger kommen bei Patienten, die im Arbeitsleben stehen, die
Rentenversicherungsträger (BfA und LVA) und bei den übrigen Patienten die
Krankenkassen in Frage.
Die
Ausführungen wurden nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft erstellt. Sollten
Ihnen Fehler oder Unklarheiten auffallen, bitten wir sie um Mitteilung. Auch
Anregungen werden gerne aufgenommen. Regelmäßige Überarbeitungen und Ergänzungen
sind vorgesehen.
Mit
den besten Wünschen, insbesondere für Ihre Gesundheit
Chefarzt der Neurologischen Abteilung der Klinik Hoher Meissner
Arzt für Neurologie
Physikalische Medizin, Rehabilitationswesen
Weitere Medizinische Informationen
und
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von
Amyotrophe Lateralsklerose bis zur
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